Donnerstag, 14. September 2017

Erst esst Ihr nur ihre Essensreste auf ...

... aber dann! Irgendwann lohnt es sich, und dann könnt Ihr endlich die Kleidungsstücke auftragen, aus denen Eure Kinder rausgewachsen sind.

Voilà, Beweisstück A, voll modische Turnschuhe.


Also für meine Verhältnisse, sind natürlich von "letzter Saison". Und dass ich "Turnschuhe" sage, spricht vermutlich auch Bände und führt unter Kennern zu Augenrollen. Die aktuellen kann nächstes Jahr der Papa auftragen. Und danach gehen die Sachen dann wieder an die Caritas. Und irgendwann hört das jugendliche Fußwachstum auf. Oder? Oder?!

Ach, und Ihr müsst drauf achten, rechtzeitig den Absprung zu schaffen: Essensreste von jugendlichen Kindern isst man als Eltern irgendwann nicht mehr auf, sonst macht man das noch, wenn die mit 25 zu Besuch kommen.

Dienstag, 12. September 2017

Vorgezogene Altersmelancholie

Ich bin oft früh dran. Meine Midlife Crisis habe ich schon seit Jahren durch (bilde ich mir ein). Die "Eltern" habe ich als junge Studentin gelesen, weil mir die Frauenzeitschriften zu langweilig wurden und sich wiederholten. Wie schnell das bei Elternzeitschriften ebenfalls eintrifft, habe ich kurz darauf gemerkt. Ich hab schon mal in die Brigitte ab 50 reingeschaut ("Woman"? Da gibt es inzwischen so viele Ableger, ich habe den Überblick verloren), ist ja nicht mehr lange hin, besser mal vorbereitet sein.

Nun lese ich von aus dem Haus gehenden Kindern. Habe eine Freundin mit aus dem Haus gehenden Kindern. Und fühle mich, als stünde mir selbst das unmittelbar bevor. Nur noch ganz kurz, dann sind die Kinder größer als ich. Dann werden sie immer schlauer (oder bilden es sich zumindest ein), machen Schulabschluss, ziehen aus, finden Freund oder Freundin und zack, hab ich Schwiegertochter/Schwiegersohn an der Backe und bin überhaupt nicht mehr gefragt im Leben meiner Kinder.

Die enge Beziehung von jetzt kommt nie wieder, für so klug und welterfahren wie jetzt (bilde ich mir ein) halten sie mich auch nicht mehr. Wenn ich dran denke, für wie schlau ich mich mit 19 hielt und für wie rückständig meine Eltern! Ich werde alt, starrsinnig, uneinsichtig und irgendwann bin ich ein Sack alter Haut mit Knochen drin und das Generationenrad dreht sich eine Umdrehung weiter.

Waaahhh!

Sonntag, 10. September 2017

Die neuen Trüffelschweine - freies WLAN

Facebook will mir zeigen, wo in meiner Nähe freie WLAN-Hotspots zu finden sind?

Hab ich gar nicht nötig, ich habe doch Kinder im WLAN-fähigen Alter! Die können mir jetzt schon an jedem gängigen Ort in der Stadt sagen, wo es freies WLAN gibt. Ist ja auch eine wichtige Fähigkeit, wenn man noch nicht mal eigenes mobile Datenvolumen hat.

Samstag, 9. September 2017

Kinoentscheidungen als Eltern

Ich: OK, wir wollen ins Kino. Ich hab schon mal geschaut und finde, diese drei Filme kommen in Frage, guck mal

Er: scannt kurz die Auswahl.

Ich (bereite mich innerlich auf eine längere Diskussion der Vor- und Nachteile und bin absolut bereit, alle Filmrezensionen, die ich gerade recherchiert habe, kurz zusammenzufassen)

Er: Wir gehen in den

Ich: Das ging aber schnell. Hast Du von dem schon gehört?

Er: Nein, aber die Anfangszeit passt am besten.

Und genau so ist es. 1. gehen wir nicht mehr ins Kino, weil wir einen bestimmten tollen Film sehen wollen, sondern weil wir einen Gutschein vor Verfall einlösen müssen. Und 2. ist einer der besten Auswahlgründe für einen bestimmten Film dann die Anfangs- und Endzeit.

"Der dunkle Turm" ist es geworden, nur falls jemand fragt. Nett, aber belanglos und alle Hauptrollen sind Männer.

Dienstag, 5. September 2017

WmdedgT 9/2017

Bei Frau Brüllen wird gesammelt, was mitteilungsbedürftige Blogger am 5. jedes Monats gemacht haben - und wir sind dabei.

Denn heute war der Tag des Ehrenamts. Bei mir zumindest. Für diese Woche sollte ich durch sein.

6.30 Uhr wie üblich an Schultagen aufstehen. Brummel, es wird langsam dusterer morgens. Demnächst dann wieder Aufstehen, Kinder wecken und zur Schule schicken bei Lampenlicht. Aber heute noch nicht!

Um 9.45 Aufbruch zur Schule. Es ist Einschulungstag. Und aus Gründen, die ich noch mal hinterfragen sollte (Wieso ich?) habe ich mich vor den Sommerferien dazu gemeldet, mitzuhelfen. Das heißt, die hungrige Eltern-, Großeltern- und sonstige Angehörigenmeute mit Kaffee und Kuchen versorgen, während sie auf die Rückkehr ihrer Einschulungskinder warten, die für eine kurze Zeit in ihre neuen Klassen gehen.

Glück gehabt, die Tische standen im strahlenden Sonnenschein, somit habe ich den vielleicht letzten Spätsommertag optimal ausgenutzt. Die Arbeit war angenehm, nach zweieinhalb Stunden (geplant waren zwei) konnte ich guten Gewissens nach Hause gehen, der größte Ansturm war vorüber. Auf dem Heimweg einen Umweg zum am besten sortierten Supermarkt der Gegend gemacht, um so exotische Zutaten wie Ricotta und Mascarpone zu besorgen.

Zu Hause endlich etwas gearbeitet. Auf ein Akquisegespräch für den Nachmittag vorbereitet. Kinder empfangen.

Das andere Kind mit dem Mann losgeschickt, eine Geige zu besorgen. Wir sind, da musikalisch wenig vorgebildet, da vielleicht etwas naiv. Wie wählt man denn normalerweise eine Geige aus? Scheint, man geht nicht los und kauft einfach eine. Sie kamen mit einem Mietmodell nach Hause.

Akquisegespräch wird abgesagt, Ansprechpartner musste raus "zum Einsatz". Tja, da kann man nichts machen, wird nachgeholt. Dafür dann Zeit um in Ruhe Essen zu kochen. Eine Ladung Wäsche habe ich auch irgendwann im Lauf des Tages untergebracht.

Um 17.00 Uhr los zum nächsten Ehrenamtseinsatz. Bürodienst bei Amnesty International. Gähn, die langweiligste Aufgabe, die diese Organisation zu bieten hat. Seit Jahren der Impuls "Da müsste man doch mal ...", der wie üblich folgenlos verpufft. Um Mitstreiter zu motivieren, probiere ich dieses Mal die Strategie "Schuldgefühle erzeugen" aus. Mal sehen, wie gut das wirkt.

Um kurz nach 20.00 Uhr wieder zu Hause. Essen. Ins Bett bringen. Schreiben. Gähnen und rumhängen. Wegen eines Glases Cola wahrscheinlich doch wieder zu spät ins Bett. Also alles wie immer.

Sonntag, 6. August 2017

Der ganz normale Abend-Stress

Ich glaube, wir beginnen hier eine kleine Reihe. Inspiriert von diesen vielen Berichten von tollen Kindergeburtstagen auf anderen Elternblogs. Auch bei mir selber beobachte ich, dass ich natürlich viel lieber von gelungenen Erziehungsinterventionen berichte als vom Nerv des Alltags. Aber das macht Stress. Wenn allen Eltern im Internet augenscheinlich immer alles so toll gelingt.

Hier also die Gegenwelt. Der normale Abend-Wahnsinn. Nicht jeden Abend, aber oft genug. Leider ist es heute etwas später geworden, als für das Kind gut ist. Und schon geht der Ins-Bett-Geh-Stress los. Das Kind will nicht. Noch schlimmer wird es dadurch, dass es erst noch baden soll. Manchmal geht das gut, die Aussicht, im warmen Wasser zu planschen, besänftigt das kleine Terror-Kind und danach lässt es sich einigermaßen einfach ins Zimmer bringen. Heute (nicht zum ersten Mal) nicht. Geschrei. Trotz. Gutes Zureden und ins Bad tragen helfen nicht. Schimpfen hilft nicht. Zu gröberen Maßnahmen wollen wir nicht greifen. Also Pause. Versuchen, ohne verletzend zu werden zu sagen, dass man das nicht toll findet.

Jetzt heißt es wohl erst mal ausbocken lassen, sonst wird das mit Bett gehen gar nichts mehr. Das ist übrigens schon ein großer Lernfortschritt auf unserer Seite. Früher dachten wir noch, wir müssten uns "durchsetzen", so wie wir das von unseren Eltern kannten. Das waren noch unschönere Szenen und brachte eher nichts.

Hockt das Kind also erst mal beleidigt in der Ecke. holt sich dann noch einen Joghurt (so spät!), isst, ist danach einigermaßen kooperativ, zumindest was Umziehen und Zähneputzen angeht.

Es ist ca. 23.00 Uhr, als das Kind in seinem Zimmer ist und erst mal noch eine Runde mit Nachtlicht auf dem Boden spielt. Irgendwann wird es schlafen. Vielleicht auf dem Fußboden, dann legen wir es eben später ins Bett. Das ist nicht ideal. Zum Glück sind Ferien, da bin ich dabei etwas entspannter. Leider passiert das manchmal auch in Schulzeiten. Doof, anstrengend. Aber natürlich gibt es schlimmere Schicksale.

Freitag, 4. August 2017

Veränderungen im Gefüge meiner kleinen Welt

Es gibt, nicht sehr häufig, aber deutlich spürbar, so Momente, da merke ich ganz deutlich: Hier verändert sich was. Das wird nie wieder sein wie vorher.

Zum Glück für mich sind das meist befreiende Momente. Die mich aus so verinnerlichten Zwängen rausholen.

Es fing an mit meinem Vater. So um die acht Jahre war ich alt und schier verzweifelt, weil ich doch unbedingt die Eröffnung der Olympischen Spiele im Fernsehen sehen musste. Nun hieß es aber, ich solle ins Bett. "Aber Papa!" - "In vier Jahren sind wieder Olympische Spiele, guckste halt dann." Ach. Seitdem brauch ich das nicht mehr. In vier Jahren gibt's ja wieder neue. Passiert einem ja gar nichts, wenn man die mal verpasst.

Oder zwei Jahrzehnte später, Silvester irgendwo im nirgendwo, weil wir zu spät zur Party losgefahren waren. Und dann nicht mal Feuerwerk war, weil das in dem Land, wo wir grad waren, nicht üblich ist. Seitdem kann ich Silvester ganz entspannt angehen. Mitternacht? Fünf Minuten später oder früher? Warum nicht um 22 Uhr, damit die Kinder danach schlafen können? Mir alles recht. War das wirklich mal so wichtig: Was macht man Silvester?!

Nun hatte ich dieses Gefühl wieder: Das "ich muss unbedingt pünktlich sein" im Kino. Es löst sich langsam auf. Ich konnte wirklich entspannt in der Popcorn-Schlange stehen und es machte mir auch der Gedanke nichts aus, "die Vorschauen" zu verpassen. Ungelogen!

Könnte jahrzehntelange Prägung auf Pünktlichkeit so langsam ihren stählernen Griff lockern? Wie erholsam!